Neuigkeiten vom Leuchtturm und darüber hinaus

Bretagne? Nein – Bride!

Bride

Von Erica Gascoigne

13.07.2026

Endlich, endlich darf ich auch mal was für diesen Blog schreiben. Hat ja lang genug gedauert.

Das Blöde ist nur: Nachdem ich so ein Theater wegen Cedrik veranstaltet habe, weil er mir den eigentlich für mich bestimmten Beitrag weggenommen hat, fällt mir jetzt einfach nichts ein.

Beim Rugby ist gerade Pause und auch sonst ist Saure-Gurken-Zeit. Und anstatt jetzt vor meinem Schreibtisch zu sitzen und auf ein leeres Blatt Papier zu starren, liege ich bequem auf dem Sofa (das bleibt aber unter uns!), die Fernbedienung in einer Hand, ein Eis in der anderen, und sehe mir auf dem Sportsender eine Wiederholung der gestrigen Etappe an. Der zweite und dritte Montag sind bei der Tour de France ja Ruhetage.

Ihr fragt euch vermutlich, was die Isle of Man mit diesem Radsportklassiker zu tun hat. Also dafür gibt's mehrere Gründe:

Zum einen wären da Mark Cavendish und Peter Kennaugh.

(Hier folgen ein paar stichpunktartige Infos, die ich im Internet zusammengesucht habe ...)

Sir Mark Cavendish:

- »Manx Missile« genannt

- Mitte der 1980er Jahre auf der Isle of Man geboren

- hat wohl ein fotografisches Gedächtnis, das es ihm erleichtert, sich den Streckenverlauf einzuprägen

- vierfacher Weltmeister

- 35 Tour de France-Etappen gewonnen (mehr als der langjährige Rekordhalter Eddie Merckx)

- und etliche andere Siege

- gilt deshalb als einer der erfolgreichsten Radrennsportler seiner Zeit

Peter Kennaugh MBE:

- Ende der 1980er Jahre auf der Isle of Man geboren

- stammt aus einer Radrennfamilie

- Weltmeister (Mannschaftsverfolgung)

- hat bei der Olympiade 2012 die Goldmedaille im Radrennen geholt

- war damit der erste Goldmedaillengewinner der Insel seit einhundert Jahren

- britischer Meister im Straßenrennen

- und etliche andere Siege

- war mehrere Jahre als Fernsehkommentator für die Berichterstattung der Tour de France tätig

Und zum anderen - was natürlich viel wichtiger ist: das Gefühl von Sommer.

Zugegeben, hier ist es nicht so heiß wie in Frankreich (Gott sei Dank!), aber es gibt hier ein paar Ecken, die große Ähnlichkeit mit einer französischen Landschaft haben. Beispielsweise der Weg von Cranstal rauf nach Bride.

Gott, wie hab ich diesen endlosen langen Anstieg gehasst, als ich noch mit meinem Fahrrad durch die Gegend gezischt bin. Kein Baum, kein Strauch und der Wind kam immer von vorn - egal, aus welcher Richtung er vorher geweht hat. So hat es sich zumindest angefühlt.

Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie froh ich war, als Lenny mir seinen alten Aufsitzmäher überlassen hat. Ohne das Ding hätte ich Erik vermutlich wesentlich seltener im Leuchtturmhaus besucht.

Und deshalb hab ich seinen ersten Besuch bei mir und Granny Rose auch sehr zu schätzen gewusst - auch wenn ihm das im ersten Moment vielleicht anders vorgekommen ist.

Erik stellte sein Rad unter das Vordach des kleinen, weißen Cottage, in dem Erica laut Coach Hillman wohnte. Auf dem halb gemähten Rasen vor dem Haus stand ein zerbeulter Aufsitzmäher. Offenbar war der Besitzer bei seiner Arbeit unterbrochen worden. Vorsichtig holte Erik die Tüte aus seiner Fahrradtasche und drückte auf die Klingel neben der Haustür, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Auf der gesamten Strecke hatte ihm der Wind kräftig entgegengeweht. Und die Sonne knallte vom Himmel.
              Einen Moment später bemerkte er jemanden hinter der Milchglasscheibe der Tür, und dann riss Erica sie auch schon auf. Ihr Pferdeschwanz war total verwuschelt, über ihrer Schulter hingen drei große Badehandtücher und sie hielt ein Messer in der Hand.
              Als sie Erik sah, huschte ein panischer Ausdruck über ihr Gesicht. »Oh, du bist´s«, stammelte sie. »Das ist im Moment total schlecht.«
              »Okay. Dann komme ich vielleicht besser ein anderes Mal wieder«, antwortete Erik enttäuscht und wandte sich ab. So ein Mist. Jetzt hatte er den weiten Weg umsonst gemacht. Dabei wollte er ihr doch nur ihren BH zurückgeben. Gewaschen, aber nicht gebügelt.
              Doch dann hörte er, wie Erica ihm nachlief, und spürte ihre Hand auf seiner Schulter.
              »Warte, Erik. Komm besser rein, das Wetter schlägt gleich um.«
              Erstaunt schaute Erik zum Himmel hoch. Klar und blau.
              Doch Erica drehte ihn in Richtung Berge. Von Westen zog eine Regenfront heran, die sich wie eine weiße Gardine vor die grünen Bergwiesen und Felder schob, bis diese komplett verschwunden waren.
              Hastig drückte Erica ihm das Messer und die Handtücher in die Hand. »Warte hier. Ich muss nur schnell meinen fahrbaren Untersatz in der Scheune unterstellen.« Dann lief sie zum Aufsitzmäher, ließ den Motor an und bretterte mit quietschenden Reifen ums Haus herum.
              Erik sah ihr mit hochgezogenen Augenbrauen nach. Er hatte gar nicht gewusst, dass diese Mäher so schnell fahren konnten.
              »Wow, das Ding geht ja ab wie Sau«, meinte er, als Erica kurz darauf um die Ecke sprintete und ihn ins Haus zog. Keine drei Sekunden später ging ein Hagelschauer nieder, der Erik auf seinem Rad total durchnässt hätte. »Ist das dein Rasenmäher?«
              »Jein. Ist eine Dauerleihgabe vom Sohn unserer Nachbarn«, erklärte Erica und nahm ihm das Messer und die Handtücher ab. »Lenny ist Gärtner und hat sich ein größeres Modell zugelegt. Deshalb darf ich seinen alten benutzen.«
              »Fahren diese Mäher immer so schnell?«
              Erica errötete und schüttelte den Kopf. »Eigentlich nicht, aber Lenny hat mir geholfen, den Motor etwas zu frisieren, damit ich nicht Stunden bis nach Ramsey brauche.«
              »Du fährst damit auf normalen Straßen?«
              »Klar, irgendwie muss ich ja zum Training kommen. Und der Bus geht einfach viel zu selten.«
              Erik seufzte. »Ich beneide dich. Ich muss mich mit einem uralten Fahrrad die Hügel raufquälen.«
              Inzwischen prasselte der Hagel so laut gegen die Scheiben, dass Erik heilfroh war, dass er sich im Trocknen befand.
              Erica zeigte auf die Handtücher. »Ich … ich bin gerade dabei aufzuräumen … und das Haus ist total durcheinander«, erklärte sie verlegen.
              »Das macht mir nichts«, versicherte Erik. »Chaos bin ich gewohnt«, fügte er grinsend hinzu.
              Erica nickte zögernd. »Wenn das so ist, dann komm in die Küche und hilf mir. Ich muss die Wäsche noch falten und Kartoffeln schälen und tausend Dinge erledigen«, seufzte sie und winkte ihn durch den Flur.
              »Moment.« Rasch holte Erik einen Strauß aus seiner Tüte. Die Blumen waren leicht zerknittert, aber er schüttelte sie vorsichtig und reichte sie Erica.
              »Sind die für mich?«, fragte sie erfreut und schnupperte an den Wildrosen.
              »Nein, für deine Großmutter«, erwiderte Erik und musste grinsen, als er ihre enttäuschte Miene sah. Dann griff er erneut in die Tüte und holte ein violettes Sträußchen hervor. »Hier, die sind für dich. Ein kleines Dankeschön für deine Hilfe in der Dusche«, sagte er. »Cedrik meinte, der lateinische Name dieser Heidekräuter sei ›Erica‹. Und da dachte ich mir, das würde passen. Ich hoffe, sie gefallen dir?«

Das war der Moment, als mein Herz einen Schlag mehr als üblich gemacht hat - ein Gefühl, das ich bis dahin noch nie erlebt hatte. Denn meine Rugbykumpels hatten mich in dieser Hinsicht immer kalt gelassen.

Aber Erik - mit seinen windzerzausten, rotblonden Haaren, den hellen Wimpern, geröteten Wangen und einem Blumenstrauß in meiner Lieblingsfarbe - hat mich völlig umgehauen. Und ich musste mir echt Mühe geben, mir nichts anmerken zu lassen.

Vielleicht interessiert es euch ja, wie die Geschichte mit uns beiden weitergegangen ist (es war jedenfalls kein Spaziergang - so viel kann ich verraten). Falls ja, dann könnt ihr das hier nachlesen:

Pippa McKenzie

Die Jungs vom Leuchtturm 1: Mann - Insel für Einsteiger

Erica Gascoigne

Rugbyspielerin. Von ihren Mannschaftskollegen gern als »Eiserne Lady« bezeichnet. Große Verfechterin der »Kompetenzquote«.

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