Granny Rose lässt schön grüßen und fragt, ob sich außer ihr noch irgendjemand an den uralten Spielfilm Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten erinnert. Ich hab natürlich keine Ahnung - schließlich lief der Jahrhunderte vor meiner Geburt. Aber ich hab mal gegoogelt und rausgefunden, dass es in dem Film um einen Wettkampf geht. Das Ganze handelt um 1910, als die ersten Flugversuche unternommen wurden. Ich erspare euch jetzt die Details, obwohl Granny meinte, die Komödie wäre wirklich sehr lustig. Na jedenfalls, bemühen sich darin diverse Piloten mit unterschiedlichen Flugerfahrungen, ihre Flugmaschinen unversehrt von London über den Ärmelkanal und bis in die französische Hauptstadt zu steuern.
Hier bei uns finden zurzeit auch wieder Wettkämpfe statt: das Isle of Man Festival of Motorcycling. Eine Bezeichnung, die 2013 vom damaligen Wirtschaftsminister eingeführt wurde, sich aber nicht richtig hat durchsetzen können, weil alle nur vom Manx Grand Prix und von der Classic TT reden. Ersterer umfasst Motorradrennen auf der gleichen Strecke wie die Tourist Trophy, allerdings dürfen daran auch Amateure teilnehmen (diese Rennen gelten als gute Vorbereitung für die richtige TT). Und bei der Classic fahren historische Rennräder um die Wette, nicht selten von Fahrern gesteuert, die so alt sind wie ihre Maschinen.
Seitenwagenrennen bilden keinen Bestandteil dieses Festivals, so wie bei der TT. Aber nach den schweren Unfällen Ende Mai ist es noch die Frage, ob sie in dieser Form je wieder teilnehmen dürfen. Kein Wunder - habt ihr euch die heutigen Rennmotorradgespanne mal angesehen? Da sitzt niemand mehr in einer Art Zigarrenröhre neben dem Motorrad.
Stattdessen turnt der Beifahrer auf einer Plattform herum und muss sich mit Zähnen und Klauen festklammern, wenn es durch Hunderte von Kurven geht.
Und damit kommen wir zur Schattenseite dieser Veranstaltungen: Während ich diesen Blog schreibe, haben bereits zwei Motorradfahrer bei den Trainingsrennen ihr Leben verloren:
Mauro Poncini (29 Jahre alt)
Sam Naughton (37 Jahre alt)
Deshalb sag ich jetzt mal was ziemlich Unpopuläres: Manchmal bin ich ganz froh, wenn Manannan's Cloak (der Mantel unseres Seegottes Manannán mac Lir) die Insel in dichten Küstennebel hüllt und mal keine Rennen stattfinden können.
Bei der letzten TT war der Nebel so stark, dass keine Flugzeuge mehr abheben oder landen konnten und viele Passagiere auf Feldbetten im Flughafengebäude übernachten musste, da in dieser Zeit natürlich alle Unterkünfte ausgebucht sind.
Andererseits hat der Nebel Henrik und Lucinda auch einmal geholfen …
Als Henrik kurz darauf aus dem Bus stieg und zum Laden lief, konnte er die große Gruppe Küstenkumpel, die sich vor dem Eingang drängte, trotz der Nebelschwaden bereits von weitem sehen. Wie nicht anders zu erwarten, war Lucinda von anderen Kirchenmitgliedern umgeben, und als James, der Organisator und Gründer der Küstenkumpel, das Zeichen zum Aufbruch gab, warf sie Henrik einen vielsagenden Blick zu und deutete mit dem Kopf unmerklich in Richtung Fußballplatz.
Henrik folgte der Kirchengruppe mit ein paar Metern Abstand. Mehrere Mitglieder bogen nach links in die Straße nach Bride ab, ein paar machten sich daran, den Wegesrand vor der Grundschule von Unrat zu befreien, und die letzten kümmerten sich um das Gelände des Pfarrhauses. Nur Lucinda und ein Junge steuerten auf den Platz des örtlichen Fußballvereins »Ayre United« zu. Henrik hielt sich im Schatten der Büsche, damit Lucindas Aufpasser ihn nicht sah – wieder mal dieser Ian, der sich genau wie beim letzten Treffen an ihre Fersen geheftet hatte. Glücklicherweise dämpfte der Nebel seine Schritte. Als die beiden das Gelände des Vereins betraten, beobachtete Henrik, wie Ian irgendetwas zu Lucinda sagte und dann in der öffentlichen Herrentoilette des Fußballclubs verschwand.
Sofort drehte Lucinda sich zu Henrik um und bedeutete ihm, ihr leise zu folgen, um den Kinderspielplatz herum und zu einer weiteren Zufahrt zum Fußballplatz.
»Schnell, hier rein!« Lucinda schob ihn in eine kleine, abgeschiedene Parkanlage hinter einem hohen Holztor, das von der Straße aus nicht zu sehen war. Dichte Rosensträucher mit runzligen Hagebutten umgaben eine fast quadratische Rasenfläche. In Kombination mit dem verwitterten Lattenzaun schützten sie eventuelle Besucher vor ungebetenen Blicken. Drei in die Rosenhecke eingelassene Buchten luden zum Verweilen ein, aber nur in einer einzigen stand noch eine Holzbank. Lucinda zog ihn an einem grauen Gedenkstein, der den Eingang der Anlage beherrschte, vorbei und schnurgerade zur Bank. Schweigend platzierte sie ihre Jacke auf das nebelfeuchte Holz und ließ sich darauf nieder.
Henrik zögerte einen Moment, bevor er sich neben sie setzte – nicht zu dicht, schließlich wollte er sie nicht bedrängen, aber auch nicht ans andere Ende der Bank, worüber Lucinda erfreut schien.
Ein Motorrad brummte auf der anderen Seite der Rosenhecke vorbei. Aber danach kehrte wieder Stille ein, nur durchbrochen vom gedämpften Blöken der Schafe auf dem benachbarten Feld.
Lucinda lächelte ihn strahlend an, als wollte sie ihn auffordern, ihr näherzukommen oder irgendetwas zu sagen.
Doch Henrik spürte, wie seine Kehle plötzlich wie ausgetrocknet war. Es war das erste Mal, dass er mit Lucinda wirklich allein war, und er wollte die Situation nicht vermasseln. »Ich …«, setzte er an, verstummte dann aber.
»Ja?«, fragte Lucinda leise und blickte ihm tief in die Augen.
»Lucinda!« Eine laute Stimme hallte durch den Nebel.
Lucinda zuckte zusammen. Rasch drückte Henrik einen Finger auf seine Lippen und zeigte auf die andere Seite der Hecke. Zwischen den Latten des Zauns konnte er zwei Schemen im Nebel erkennen.
»Wo steckt dieses Mädchen schon wieder? Ian, ich hatte dir doch aufgetragen, ihr nicht von der Seite zu weichen!«
»Tut mir leid, Reverend. Ich musste nur mal dringend zur Toilette … und als ich wieder rauskam, war sie weg«, jammerte Ians Stimme.
Lucinda grinste und rückte vorsichtig näher an Henrik heran, was ihm einerseits sehr recht war, andererseits aber auch einen Schreck einjagte. Er konnte nur hoffen, dass Lucinda und er nicht durch die Hecke zu sehen waren. Glücklicherweise saß sie auf ihrer roten Jacke.
»Dieses Mädchen ist nicht zu bändigen. Es wird höchste Zeit, dass ich ein Wörtchen mit ihren Eltern rede. Sie verbringt etwas zu viel Zeit mit Personen, die nicht unserer Gemeinde angehören. Das muss sich ändern.«
»Keine Sorge, Reverend, beim Hop-tu-Naa-Ball werde ich sie keine Sekunde aus den Augen lassen«, versicherte Ian im Brustton der Überzeugung.
Einen Moment herrschte angespannte Stille. Henrik spürte, wie Lucinda den Atem anhielt. Offenbar hatte Ian sich da bei irgendetwas verplappert.
»Hast du gerade Hop-tu-Naa-Ball gesagt?«, fragte der Reverend schließlich mit eisiger Stimme.
»J-ja, der jährliche Herbstball der Vereinigung für Gesellschaftstanz«, murmelte Ian. »Eine hochanständige, gesittete Veranstaltung, mit vielen älteren Damen und Herren«, fügte er hinzu, offenbar im Versuch, den Schaden wieder gutzumachen.
»Hop-tu-Naa?! Willst du mir ernsthaft erzählen, dass du vorhattest, ein heidnisches Fest zu begehen?«
»Nein, natürlich nicht. Ich bin nur Lucindas Begleiter.«
»Lucinda. Schon wieder Lucinda. Dieses Mädchen ist ein Dorn in meinem Fleisch, eine Geißel unserer Gemeinde. Ich brauche etwas zu schreiben. Du hast doch ein Mobiltelefon, oder? Gib es mal her.«
»Das ist eine Fangfrage«, flüsterte Lucinda Henrik ins Ohr. »Wir dürfen keine Handys benutzen.«
»I-ich hab keines«, stammelte Ian.
»Er lügt«, wisperte Lucinda.
»Jetzt strapazierst du aber wirklich meine Geduld. Gib es mir sofort.«
Ian seufzte. »Ich hatte vergessen, dass ich eins eingesteckt hatte. Für Notfälle.«
»Wie oft habe ich euch gesagt, dass ihr dieses neumodische Teufelszeug nicht benutzen sollt?«, donnerte der Reverend. »Ich erwarte, dass du es mir sofort aushändigst.« Ein Rascheln ertönte. Dann fuhr der Geistliche fort, wobei sich seine Stimme langsam entfernte: »Wo kann man darauf Notizen anlegen? Ich werde sofort einen Sondergottesdienst anberaumen. Für den Abend des 31. Oktobers. Und glaube mir, es bedarf eines wirklich triftigen Grundes, wenn jemand nicht pünktlich erscheinen sollte. Und was diese Vereinigung für Gesellschaftstanz betrifft: Darüber wollte ich schon lange mit deinen und Lucindas Eltern reden …«
Hier findet ihr die ganze Geschichte:
Pippa McKenzie
Die Jungs vom Leuchtturm 1: Mann - Insel für Einsteiger








