Durchwurschteln - für die Uneingeweihten unter euch: sich irgendwie durch eine schwierige Situation manövrieren, oft mit mehr Glück als Verstand. Dieses Verb möchte man normalerweise nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln und präzisen Ankunfts- und Abfahrtszeiten in Verbindung bringen.
Aber genau dazu waren die Ingenieure und Bahnarbeiter der Isle of Man vor etwa 150 Jahren gezwungen: sich durch hartes Felsgestein, tiefe Schluchten und tückische Meeresbuchten hindurch zu buddeln bzw. Brücken und Viadukte darüber hinweg anzulegen. (Versteht mich nicht falsch, ich will ihre Leistung überhaupt nicht herabwürdigen. Ganz im Gegenteil: Wie gut diese Männer gearbeitet haben, zeigt sich auch daran, dass die Bahnen noch immer in Betrieb sind und jedes Jahr Tausende von Schienenverkehrfreunden anziehen.)
Okay, das mit dem Improvisieren gilt vielleicht weniger für die Horse Tramway in Douglas - eine der letzten noch regelmäßig verkehrenden, von Pferden gezogenen Straßenbahnen der Welt -, da das Gelände entlang der Meeresbucht die Arbeiter nicht vor so gewaltige Aufgaben gestellt hat wie die umliegenden Berge und Klippen.
Aber definitiv für die anderen Eisen- und Straßenbahnen auf der Insel: die Isle Of Man Steam Railway von Douglas über Castletown nach Port Erin (1874 in Betrieb genommen), die Manx Electric Railway von Douglas über Laxey nach Ramsey (1893) und die Snaefell Mountain Railway, die seit 1895 von Laxey hinauf zum Gipfel des Snaefell fährt, unserem höchsten Berg.
Mit der Groudle Glen Railway und der Great Laxey Mine Railway beschäftigen wir uns ein anderes Mal, da beide privat betrieben werden.
Zugegeben, anfangs waren all diese Bahnen in privater Hand, selbst die Busse wurden erst vor 50 Jahren vom Staat übernommen. Im Jurby Transport Museum kann man noch einige historische Exemplare hautnah bestaunen. Und wem das noch nicht an alten Fahrzeugen reicht, der braucht nur über die Straße zu schlendern, zum Isle of Man Motor Museum.
Und hier noch etwas zur Entspannung: Dieser kurze Film zeigt die Fahrt mit der Manx Electric Railway von Douglas nach Ramsey.
Apropos gezwungen: Nachdem Haakon uns gezwungen hatte, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu erkunden, war ich wiederum gezwungen, meine Brüder mit diversen Bus- und Bahnfahrten bei Laune zu halten, damit der anberaumte Museumsbesuch nicht schon wieder ins Wasser fiel:
Der rote Doppeldecker, der über Bride nach Ramsey fuhr, war relativ leer. Cedrik führte die anderen die schmale Treppe hinauf zum oberen Geschoss, wo sie mit Mimmi in der ersten Reihe Platz nahmen.
Während er den Panoramablick über die umliegende Landschaft genoss, fühlte er sich mehr und mehr wie in einer Szene aus »Der Doktor und das liebe Vieh«: Ein Oldtimer aus den Dreißigerjahren fuhr vor ihnen an einem Cottage vorbei, und auf der rechten Straßenseite kam ihnen ein uraltes Moped in einer blauen Abgaswolke entgegen. Ansonsten waren weit und breit nur Felder mit Schafen zu sehen, lediglich unterbrochen von gelb blühenden Ginsterhecken. Aber nichts, was auf eine moderne Zivilisation hindeutete. Kein Wunder, dass die hier regelmäßig historische Filme drehten, überlegte Cedrik. Die Kulisse wirkte tatsächlich wie aus einem vergangenen Jahrhundert.
Nach dem Minikreisverkehr ging es einen kleinen Hügel hinauf und dann durch eine dunkle Allee einen steilen Abhang hinunter. Links lag ein Teich, rechts ein See, auf dem zwei Enten dümpelten. Dann öffnete sich die Allee und gab den Blick auf das weite Vorland frei: grüne Wiesen mit schwarzweiß gefleckten Kühen und Highland-Rindern, dazu Felder mit cremeweißen Schafen.
Geradeaus sah man die hohen Berge, die fast dreigeteilt wirkten. Unten herrschte dunkelgrüner Wald vor, dann folgte ein breiter Streifen heller Wiesen, und darüber ragte eine karge, graugrüne Fläche aus moosbewachsenem Felsgestein auf. Ab und zu blitzte auf halber Höhe etwas auf – Reflexionen von Fahrzeugen, die auf der Mountain Road fuhren. Und schließlich bot sich links der Blick auf die Bucht von Ramsey: dunkelblaues Wasser, das in der Sonne glitzerte.
Plötzlich nahm Cedrik den Geruch von faulen Eiern wahr. Oh Gott, das musste Mimmi sein! »Wir können von Glück reden, dass wir hier oben allein sitzen. Sonst würden die anderen Fahrgäste nicht nur dein Wallaby lynchen, sondern auch uns!«, fuhr er Fredrik an, der mit Mimmi auf der anderen Seite des Gangs saß.
»Das war Mimmi doch gar nicht!«, protestierte Fredrik empört. »Frag mal lieber Erik!« Er zeigte demonstrativ auf Erik, der am Fenster saß, einen kleinen Gefrierbeutel hervorgeholt hatte und in Seelenruhe ein hart gekochtes Ei pellte.
Cedrik schüttelte missbilligend den Kopf. »Muss das sein?«
»Was denn? Man wird doch wohl noch was essen dürfen!«, entgegnete Erik, schob sich das Ei in den Mund und hielt Cedrik den Beutel entgegen. »Willft du auch?«, fragte er mit vollem Mund.
Genervt hob Cedrik die Hand. »Nein, danke.« Seine Brüder hatten einfach keine Manieren.
Kurz darauf hielt der Bus an. »Endstation!«, ertönte es aus dem Lautsprecher.
Erstaunt warf Cedrik einen Blick auf die Straße. Das sah nicht nach dem Busbahnhof aus, von wo aus sie den Anschluss nach Douglas nehmen mussten. Zögernd stieg er die Treppe hinunter, dicht gefolgt von seinen Brüdern und Mimmi. Der untere Teil des Busses hatte sich bereits geleert. Anscheinend hatte niemand der anderen Fahrgäste ein Problem mit der Änderung der Haltestelle gehabt. Die kannten sich ja auch alle aus. Aber er musste jetzt möglichst unauffällig herausfinden, was hier los war und wie sie nach Douglas kommen sollten. Seine Brüder durften nichts davon erfahren, weil sie sonst umgehend zum Rückmarsch blasen würden.
Cedrik trat einen Schritt zur Seite. »Geht schon mal vor.« Er deutete auf die geöffnete Tür. »Ich möchte dem Fahrer noch eine Frage zu den historischen Omnibussen stellen. Wann man damit fahren kann«, fügte er hinzu, was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Denn bei den Worten »historische Omnibusse« hatten die anderen sofort die Flucht ergriffen und waren ins Freie gestürmt.
Ob und wie die Fahrt weiterging, könnt ihr hier nachlesen:
Pippa McKenzie
Die Jungs vom Leuchtturm 1: Mann - Insel für Einsteiger
Feature Photo by Pippa McKenzie







