Neuigkeiten vom Leuchtturm und darüber hinaus

Lorenzo, Perseus und King Orry

Nachthimmel über Bradda Head

Von Lucinda Jones

10.08.2026

Sorry - ich muss euch gleich enttäuschen: Lorenzo, Perseus und King Orry - das ist nicht der Anfang einer neuen Soap-Opera mit einem heißen, italienischen Lover, einem göttergleichen, griechischen Lustknaben und einem sexy Wikingerkrieger. (Obwohl ich so was ja sofort lesen würde. Vielleicht sollte ich unserer Autorin einen Tipp geben; dann kann sie zur Abwechslung mal eine Romantasy schreiben - die erfreuen sich zurzeit ja großer Beliebtheit.)

Nein, hier geht es nicht um nackte Kerle, sondern um nackte Fakten, um Wissenschaft, um Astronomie, um genau zu sein. Ich rede von dem Meteorschauer namens »Perseiden«, also dem Sternschnuppenschwarm, der uns hier auf der Isle of Man jedes Jahr besucht und um Mitte August herum die meisten Sichtungen beschert. Genau genommen besucht nicht er uns, sondern wir zischen auf unserem Lauf um die Sonne durch die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle. (Wirklich eingängiger Name, liebe Astronomen, beim nächsten Mal vielleicht etwas mehr Fantasie!) Und der scheinbare Ursprung dieser Sternschnuppen liegt im Sternbild Perseus, benannt nach Zeus' Sohn Perseus, daher der abgeleitete Name.

Apropos Name: Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was das alles mit diesem Lorenzo zu tun hat. Also, die Perseiden werden im Volksmund auch »Laurentiustränen« genannt. In früheren Jahrhunderten hatten die Menschen - zumindest die breite Mehrheit - noch nicht all die sternenkundigen Informationen, über die wir heute verfügen. Aber sie haben natürlich trotzdem die wiederkehrenden Phänomene am Nachthimmel gesehen und nach einer Erklärung dafür gesucht.

Und da der 10. August bei manchen Religionsgemeinschaften der Gedenktag des Heiligen Laurentius ist, hat man gedacht, dass es sich bei den Sternschnuppen um die feurigen Tränen besagten römischen Diakons handelte. Dieser lebte der Legende nach zur Zeit von Papst Sixtus II. und war zuständig für die Verwaltung des Kirchenvermögens. Nachdem Kaiser Valerian den Papst einen Kopf kürzer hatte machen lassen, sollte Lorenzo den gesamten Kirchenschatz rausrücken. Und das tat er dann auch. Aber nicht so, wie der Kaiser sich das vorgestellt hatte. Stattdessen nahm Lorenzo das Geld und verteilte es unter den Armen und Kranken - sehr löblich, was aber leider dazu führte, dass man ihn auf einem Feuerrost gefoltert und hingerichtet hat.

In diesem Jahr fällt der August-Neumond mit dem Höhepunkt der Perseiden zusammen. Und das bedeutet, dass die Chance besteht, die Sternschnuppen besonders gut beobachten zu können - sofern das Wetter mitspielt und man einen Standort mit möglichst geringer Lichtverschmutzung findet.

Zum Beispiel hier bei uns. Die Isle of Man hat 26 Lichtschutzgebiete (Dark Sky Sites) - die höchste Anzahl auf den britischen Inseln:

Ganz unabhängig von Sternschnuppenschwärmen kann man hier in vielen Nächten die Milchstraße sehen, bei uns auch »Raad Mooar Ree Gorree« genannt, also die »Große Straße von König Orry«. Der Legende nach soll dieser Wikingerherrscher im Jahr 1079 in einer sternenklaren Nacht im Norden der Insel an Land gegangen sein. Und auf die Frage nach seiner Herkunft habe er auf die Milchstraße gezeigt und geantwortet, das sei der Weg zurück in seine Heimat (die Milchstraße »verläuft« ja von Nordosten nach Südwesten).

Und dann ist da natürlich noch die (je nach Standort partielle) Sonnenfinsternis am Mittwochabend, die ihr hoffentlich alle sehen könnt.

Aber Henrik und ich haben vor einiger Zeit noch ein anderes Phänomen beobachtet:

Ungeduldig lief Henrik auf und ab. Er hatte sich mit Lucinda für neun Uhr am Aussichtsturm verabredet. Und jetzt war es schon halb zehn. War Marys genialer Plan doch nicht aufgegangen? Wenn Lucindas Vater das Ablenkungsmanöver durchschaut hatte … Aber dann hätte sie ihm doch bestimmt Bescheid gegeben, oder?
              Angestrengt spähte er in Richtung des Wegs, der von der Küstenstraße zum Naturschutzgebiet führte. Und endlich, endlich entdeckte er in der Abenddämmerung ein paar Scheinwerfer, die über den mit Schlaglöchern übersäten Asphalt krochen, und kurz darauf Marys Transporter.
              Als der Wagen neben ihm anhielt und Lucinda von der Beifahrerseite heraussprang, kurbelte Mary ihre Scheibe herunter und rief: »Ich hol dich um Mitternacht wieder ab. Viel Spaß!«
              »Okay. Danke!« Dann wandte Lucinda sich Henrik zu. »Komm, wir setzen uns auf die Bank, bis es für die Sternschnuppen dunkel genug ist.«
              Henrik nickte und folgte ihr den kurzen Weg durch die Dünen zu der kleinen Plattform mit der Holzbank. Richtung Nordwesten war der Himmel noch heller, und das Meer lag ruhig vor ihnen. Aber seine Farbe …
              So etwas hatte er noch nie gesehen: Durch das Restlicht der untergegangenen Sonne wirkte die See wie von unten beleuchtet – ein fast unheimliches, blaugrünes Glühen. Ein Blick auf Lucinda verriet ihm, dass sie diesen Anblick auch nicht jeden Tag geboten bekam.
              Wie gebannt starrte sie aufs Meer hinaus, während sich die Nacht langsam herabsenkte, immer mehr Sterne zum Vorschein kamen und sich die Milchstraße allmählich abzeichnete.
              Ein seltsames, aber vertrautes Gefühl erfasste Henrik. Dieses »Unendlichkeitsgefühl«, wie er es nannte. Das Gefühl, nur ein winziger, unbedeutender Teil in einem unendlichen Universum zu sein. Kein einziges der kleinen Dramen seiner Welt spielte eine Rolle. Es gab nur das Hier und Jetzt.

Dieser Film vermittelt euch einen Eindruck vom Nachthimmel der Isle of Man.

Unsere gemeinsame Nacht am Aussichtsturm hatte damals eine wunderbar friedliche Stimmung. Leider waren die Ereignisse danach für mich mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden. Wenn ihr Genaueres wissen wollt, könnt ihr das hier nachlesen:

Pippa McKenzie

Die Jungs vom Leuchtturm 2: Mannomänner

Lucinda Jones

Leidenschaftliche Folklore-Tänzerin. Ihr ausgeprägter Sinn für Humor hilft ihr über die Familiensituation hinweg und den Druck, den ihre strenge Kirchengemeinde auf sie ausübt.

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